Frau Sinnlich oder meine Sache!

Veröffentlicht: 5. Mai 2018 in Aktuelles, Gedanken
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Tja, wie sag ich’s? Gesellschaftlich anerkannt ist es nicht. Das ist mir aber egal. Ich schade niemandem und es ist Balsam für Geist, Seele und Körper.

Meine Sache halt.

Es ist schon ein paar Jahre her, damals als Enya so langsam aus meinem Leben entschwunden ist, damals hab ich sie kennengelernt. Wie? Tja, ich hatte das Bedürfnis nach Nähe, nach Körper, nach Frau. Enya hatte mir von diesem Ort erzählt, sie kannte einige Menschen dort. Interessanterweise ist dieser Ort verbunden mit der Swingerszene im Umkreis der Stadt mit „K“. So saß ich also an einem Nachmittag, vor mir eine Tasse Kaffee, in einer gemütlich eingerichteten Lounge. Ein paar Sitzecken, dazwischen Bücher, Pflanzen, leise Musik, eine Theke, eine freundliche Bedienung – fast wie in einer Hotellobby dachte ich für mich.

Ich kam mit Gästen ins Gespräch – so werden die dort hingehenden Menschen gesehen und so sehen sich diese auch selbst. Ab und an verschwand einer, ab und an setzte sich auch eine Frau dazu. Es war einfach gemütlich. Irgendwann war dann auf dem Sofa noch ein Platz neben mir frei, während die Sitzgruppe sonst belegt war. Nach einer Weile setzte SIE sich neben mich und beteiligte sich an dem Gespräch. Ein, zwei Lächeln später begannen wir uns zu zweit zu unterhalten, ohne komplett die lustige Runde zu verlassen. Ich mochte sie, sie war mir sofort sympathisch, berührte etwas das mit Vertraut sein zu tun hat.

Nach einer Weile wurde sie weggerufen. Sie verabschiedete sich, mit zwei Küsschen auf die Wangen und dem Satz: „Schön Dich kennen gelernt zu haben.“ Wieder eine Weile später bin ich selbst meiner Wege gegangen und nach Hause gefahren. Es war ein schöner Nachmittag mit angenehmen Menschen, viel Lachen. Ein gutes Gefühl begleitete mich.

Etwa vier Wochen später saß ich wieder dort. SIE war auch da. Mit einem strahlenden Lächeln begüßte sie mich, wieder zwei Küsschen: „Schön Dich zu sehen 64er“. Ein wenig später fragte ich sie ob sie Lust und Zeit habe und wir uns zurückziehen könnten. Aus der Lounge gingen 6 Türen ab, hinter einer verschwanden wir beide.

Wer es jetzt immer noch nicht begriffen hat – SIE ist von Beruf Prostituierte, Hetäre oder wie auch immer. Wer jetzt erwartet dass ich mich schlecht fühle aufgrund der Diskussionen um Zwang, Kriminalität in diesem Umfeld, der täuscht sich. Genausowenig habe ich moralische Bedenken oder ein „schlechtes Gewissen“.

Für mich war SIE an diesem Tag Therapeutin und ist das bisher geblieben.

Was hinter dieser Tür im Detail passiert, gehört nicht in diesen Blog. Was mir für diesen Blog, für mein Tagebuch aber wichtig ist, sind die Erlebnisse und Erfahrungen die ich nicht erwartet hatte.

Ich hatte nicht damit gerechnet (und damit begann der erste Nachmittag), dass mich keine der Damen auffordern würde mit ihr in einem Zimmer zu verschwinden. Ich hatte nicht damit gerechnet einfach so wieder gehen zu können und nicht einmal die  3 oder 4 Kaffee bezahlen zu können. Am allerwenigsten hatte ich damit gerechnet, dass SIE nach Wochen noch meinen Namen kannte.

Hinter der geschlossenen Tür nahm sie mich damals zunächst in den Arm, drückte mich und stellte noch mehr Nähe her. Nach einer Weile, als sie merkte, dass ich mich entspannt hatte, blickte sie mich an und redete mit mir über das was mich bewegte. Sie begann in die Tiefe meines Kummers den ich damals hatte einzudringen. Sie schlug mir vor, dass wir uns ausziehen und einfach nackt miteinander da weiter zu machen wo wir begonnen hatten. Die Befreiung die ich an diesem Tag erlebt habe, nackt, Körper an Körper neben ihr zu liegen, sie im Arm zu halten, sie zu streicheln, von ihr gestreichelt zu werden, geküsst zu werden, zu küssen, zu schweigen, zu weinen, zu lachen – diese Befreiung hat ein Band zwischen ihr und mir geknüpft. Die Nacktheit, der Körperkontakt hat so viel bewirkt, so viel bewegt.

Warum ich damals nicht davon geschrieben habe? Diese Frage habe ich mir mehr als einmal gestellt. Eine (von sicher mehreren) Antworten ist, ich hätte es damals nicht ertragen, wenn mir dieses Erlebnis kaputtkommentiert worden wäre. Ich mache mir nichts vor, nach wie vor ist das alles entweder ein Tabuthema, wird als moralisch verwerflich betrachtet oder nur unter dem Aspekt der kriminellen oder der sexuellen Ausbeutung diskutiert.
Ich habe aber diesem Tag Befreiung erfahren, Vertrauen und Vertrautheit gefunden.

Seit diesem Tag, besuche ich sie regelmäßig unregelmäßig. Wir hatten Erlebnisse voller Sex, andere die wir mit emotionaler Nähe verbracht haben.

In dieser Woche habe ich sie wieder gesehen. Es war wieder eine Zeit in der wir uns aufeinander eingelassen haben. Wir haben mit der Lust gespielt, haben Haut an Haut einander vertraut, haben uns genossen. Es war ein Nachmittag an dem ich Erregung erlebt habe, Nähe, Vertrautheit, Lust, Entspannung.

Ich habe wieder viel Energie mitgenommen.

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Ach ja, das alles ohne „klassische“ sexuelle Handlung, ohne Orgasmus – warum ich das jetzt schreibe? Weil man vielleicht dann begreift warum ich Frau Sinnlich als meine Therapeutin bezeichne.
Wenn ich mich an die letzten Begegnungen erinnere, und das tue ich sehr gerne, wird mir bewusst, dass ich die Balance behalten muss. Wir haben uns oft über Liebe unterhalten und darüber wie sie damit umgeht, was sie erlebt, was in ihr passiert wenn sie so intensive Begegnungen hat, wie das oft bei uns beiden der Fall ist. Sie hat mir davon erzählt, dass sie die Nähe die sie mit „ihren“ Männern erleben kann sehr genießt. Je intensiver diese Treffen sind, desto wichtiger ist es ihr, danach durchzuatmen um die Distanz die sie als Therapeutin braucht zu halten.

Ich spüre nach solch sinnlich, intensiven Erlebnissen ein tiefes Glück. Mir ist durchaus bewusst was meine Bestie daraus machen kann. So lange ich die Kontrolle über die Bestie behalte, sind die Tage mit Frau Sinnlich wertvoll.

 

Kommentare
  1. Ein berührender, mutiger Post.
    Finde ich.
    Und mit diesem Song im Anhang zaubert er mir eine Gänsehaut.

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