Gut Euch zu sehn

Veröffentlicht: 17. April 2022 in Gedanken, Leben
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Will ich noch bloggen oder nicht?
Diese Frage stelle ich mir immer wieder. Es hat viele Gründe, warum ich lange Zeiten still bin. Eigentlich ist der Hauptgrund fehlende Motivation. Ich bin in den letzten Monaten faul geworden. Es ist ganz eigenartig. Auf der einen Seite habe ich jede Menge Gedanken die ich eigentlich aufschreiben will und dann ärgere ich mich drei, vier Stunden später weil ich wieder mal so uninspiriert durchs pornografische Internet gesurft bin und am Ende außer nem gefüllten Gummi nix zustande gebracht habe.
Jedes Mal aufs Neue nehme ich mir dann vor: „Schluss damit, das bringt Dir wirklich so gar nichts, außer dass der Tag rum geht“.

Wobei wir an einem wichtigen Punkt angekommen sind.
Wann bin ich eigentlich in diese NullBock-Haltung gerutscht? Warum schaffe ich es nicht mehr meinen Inspirationen zu folgen? Weshalb ergreife ich nicht all die schönen Gelegenheiten mehr zu erleben als die Stille des eigenen Zuhauses?

Reflexartig stellt sich dann das Argument Corona ein und ich verschwinde wieder in der sinnbefreiten Wanderung durch die Kategorien von pornhub und anderen um am Ende zwar körperlich erleichtert geistig jedoch gefrustet zu sein.
Dann denke ich daran, was ich alles hätte lesen können, wieviele meiner Gedanken ich hätte aufschreiben können, welchen Spaß ich draußen am Rhein gehabt hätte, wie erfüllend zwei Stunden im Garten gewesen wären, welchen interessanten Menschen ich im Joy schon lange mal schreiben wollte, dass ich schon lange meine Steuerklärung machen wollte.
Genau dann bin ich ob der ganzen verplemperten Zeit, ob der verpassten Gelegenheiten so richtig gefrustet – denn ICH HASSE KONJUNKTIV!!
Wenn ich ehrlich zu mir bin, hat Corona damit herzlich wenig zu tun, es ist die Bequemlichkeit die mich vom Leben isoliert, mein innerer Schweinhund den ich so gerne gewinnen lasse.

Tja dieses Wochenende sind mir eine paar der Selbstbetrugsargumente ausgegangen.
Es ist genau das richtige Wetter um im Garten was zu tun, der Boden ist nicht mehr nass, aber auch noch nicht knochentrocken, es ist angenehm draußen, nicht zu heiß und auch nicht kalt.
Was soll ich sagen, die körperliche Arbeit hat Spaß gemacht, die Sonne hat gut getan, den Erfolg der Arbeit zu sehen befriedigt.
Heute früh bin ich wieder an mein Beet, habe kontrolliert ob die Tauben sich an meinen Setzlingen gelabt haben. Was ein Mist, die Tauben haben nix zerstört. Ich kann mich auf die Ergebnisse in ein paar Wochen freuen. Was ein Ärger, kein Schweinehund der mich davon abhält mit dem Rad zum Bäcker zu fahren um mir ein Stück Kuchen zu gönnen.

Bis ich aus dem Bäckerladen wieder raus gekommen bin hatte ich mir über die Bedeutung des heutigen Tages keine Gedanken gemacht. Es ist Ostern ich hab, ich hab mehr Wochenende, das Wetter ist schön, ich hab was geschafft. So weit so gut.
Auf der Bank am Fahrradständer saß ein Mann, ich schätze in den Vierzigern. Er sprach mich an, gebrochenes Deutsch mit einem osteuropäischen Akzent. Er lächelte dabei.
„Heute,“ so sprach er mich an „heute ist der Herr auferstanden!“ „Ja,“ erwiderte ich „es ist Ostern“
Erst da wurde mir etwas bewusst.
„Es ist wichtig das nie zu vergessen, was Ostern passiert ist, glaube an den auferstandenen Herrn,“ redete der Mann weiter.
Ich schaute ihn ziemlich sprachlos an.
Er sagte noch ein paar Sätze zu mir, während ich das Schloss an meinem Rad öffnete, dann verabschiedeten wir uns.
Es klingt so verdammt kitschig, so verdammt konstruiert.

Auf meiner Terasse habe ich den Kuchen gegessen, Kaffee getrunken, dies und das getan.
Schreib doch endlich wieder mal was auf, schreib was zu Frau Sinnlich (ach ja, wir treffen uns immer noch und sie hat mich wenigstens so weit gestützt, dass ich nicht ganz in die Einsamkeit abgedriftet bin) hab ich mir vorgenommen – das Thema „Sexwork“ beschäftigt mich enorm.
Ich hab dann mein altes Notebook geholt, wie fast immer hab ich einfach begonnen zu schreiben. Ich hatte nen Plan über was ich schreiben will, bin doch wo ganz anders gelandet.

Was soll ich sagen – schreiben, so zu schreiben macht mir Spaß. Gut wieder hier zu sein!

Kommentare
  1. raphael sagt:

    Es ist schön, Dich zu lesen! 🙏 Danke! ☀️ Schöne Ostern wünsche ich Dir noch!

  2. Wie sehr freue ich mich, wieder von dir zu lesen! Ich hatte schon befürchtet, dass auch du dich aus den schreibenden Sphären zurückgezogen hättest oder – schlimmer noch – dass gesundheitliche Beeinträchtigungen dich vom Schreiben abhalten könnten. Wie schön, dass es „nur“ die Prokrastination ist, die ich auch nur zu gut kenne. Bei mir sind es zwar keine Pornos, aber auch ich ertappe mich oft dabei, zu lange im Internet herumzusurfen, ohne dabei sonderlich kreativ zu sein. Vielleicht können wir uns ja gegenseitig ein wenig inspirieren, wieder häufiger zu schreiben!

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